125 Jahre Harmonie Turgi Gebenstorf 1891 - 2016

Mit Tanzmusik durch das Jahrhundert
Die Harmonie Turgi Gebenstorf, ein wichtiger Pfeiler im kulturellen Leben der beiden Gemeinden, feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum. Für den als Tanzmusik gegründeten Verein Grund genug, im Archiv nach interessanten Geschichten zu stöbern. In vier Folgen lässt er die vergangenen 125 Jahre mit Fakten und Anekdoten aufleben, von der Gründerzeit bis heute.
Die Ereignisse des 1. Weltkrieges hinterliessen beim jungen Musikverein «Harmonie Turgi» ihre Spuren. Zeitweise sah er sich gezwungen, die Proben einzustellen, weil die musikbegeisterten Männer zum Militärdienst eingezogen wurden. Zwischendurch verboten die Behörden die beliebten Tanzanlässe sogar. Aller Unbill zum Trotz überstand die Vereinskasse die Krise gut und schloss 1916 mit einem positiven Saldo von 137.61 Franken. Nach den Kriegsjahren kehrte der Verein zu seinen gewohnten Aktivitäten zurück und trat im Dorf und in der Umgebung wieder bei Anlässen auf.

HTG 1948 TanzForm
Die Tanzmusikformation im Jahre 1948

Ein Thema, das den Vereinsmitgliedern stets Sorgen bereitete, war die Finanzierung von Instrumenten und Uniformen. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, führte der Verein Sammelaktionen durch und konnte auf Bürgschaften zurückgreifen. Auch mit der Erhöhung des Austrittsgeldes auf 20 Franken - zur damaligen Zeit ein happiger Betrag - versuchte man, neue Geldquellen zu erschliessen. Nicht zuletzt dank der grosszügigen Unterstützung durch die Industriellenfamilie Bebié, konnte sich der Verein finanziell einigermassen über Wasser halten.

Zu den finanziellen Schwierigkeiten kamen Zwistigkeiten zwischen Vereinspräsidenten, Dirigenten und dem Vorstand hinzu, die den Verein wiederholt in Krisen stürzten und schliesslich zur Abwahl der Streithähne führten. 

Von der Blütezeit bis zum toten Punkt

1928 organisierte der Verein einen Kantonalen Musiktag in Turgi, der wegen der Maul- und Klauenseuche jedoch zwei Mal jedoch verschoben werden musste. Zu Beginn der Dreissigerjahre blühte der Verein richtiggehend auf und wuchs bis auf 40 Mitglieder an. Die Harmonie Turgi gab landauf, landab Konzerte und nam an mindestens zwei Musiktage pro Jahr teil. 1935 nahm sie erstmals an einem Eidgenössischen Musikfest teil, das in Luzern ausgetragen wurde. In dieser Zeit gab es wiederholt Wechsel in der Direktion. 1936 bewarben sich 17 (!) Dirigenten für das Amt.

HTG 1929 Kant Mu Fest Aarau 1
Am kantonalen Musikfest 1929 in Aarau


Während des Zweiten Weltkrieges stellte der Verein seine Aktivitäten auf unbestimmte Zeit ein. Er erreichte damals gemäss Protokoll auch finanziell einen «toten Punkt». Im Verlaufe der Zeit erholte er sich davon und konnte wieder kleine Konzerte geben.

HTG 1950 m K Baldinger

Das 50-jährige Jubiläum feierte er am 6. Dezember 1941 mit einem Jubiläumskonzert im Kronensaal in Turgi. Im darauffolgenden Jahr übernahm der allseits bekannte und geschätzte Turgemer Musikdirektor Karl Baldinger den Dirigentenstab, welchen er nach erfolgreichem Wirken 1961 an Adolf Seeberger weitergab.

Ausgelassene Uniformenweihe

1950 wurde der Verein mit neuen Uniformen eingekleidet. Die Feierlichkeiten zur Uniformenweihe begannen bereits am Vorabend mit einem «grossen bunten Abend» und mit «lärmigem Tanzbetrieb» bis ins Morgengrauen und wurden am Montagabend mit einem «Nachfest» abgeschlossen. Die Ausgaben für die 35 Uniformen beliefen sich auf statthafte 13‘543.60 Franken. Den dadurch entstandenen finanziellen Engpass überbrückten Gemeindesubventionen, die ab 1953 von 1200 Franken auf 1800 Franken angehoben wurden, allerdings unter der Bedingung, dass der Verein jährlich 12 (!) Platzkonzerte im Dorf geben musste.

HTG 1949 Ehrung v 6 Musikanten
1949 werden am kantonalen Musiktag in Turgi 6 turgemer Musikanten geehrt

Abgesehen davon organisierte der Verein jahrein, jahraus verschiedene Anlässe von Fasnachts- und Kinderbällen über bunte Abende bis zu Konzerten mit Lichtbildern. Der Verein war aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken und sorgte immer für wohlklingende Töne, wenn etwas los war.

Lesen Sie bald mehr über die Höhen und Tiefen des Vereinslebens, mit Anekdoten zum Schmunzeln.